Ein weiches Herz

Samstag den 20.08.2011
Ich befinde mich mit der Familie im Urlaub an der Nordsee.

Vor meinem Urlaub hat meine Therapeutin zu mir gesagt „Seien Sie ihren Kindern ein Vorbild“.
Heute waren wir nach dem Abendessen in einem Restaurant mit den Fahrrädern auf dem Rückweg zur Ferienwohnung. Der Weg führte direkt am Wasser entlang. Die Ebbe hatte schon mehrere Stunden vorher eingesetzt, und die Wassergrenze hatte sich schon mehrere hundert Meter zurück gezogen.
Plötzlich sah ich eine Ente, ca. 4 Meter von unserem Weg entfernt im Schlick. Immer wieder biß sie mit ihrem Schnabel in den Schlick.
– Ich wunderte mich über dieses Verhalten. -Gedanken kreisten mir durch den Kopf. Suchte sie nach Wattwürmern oder Wasserschnecken? Ihr Verhalten kam mir seltsam vor.
Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich keine Vogelspuren in ihrer Nähe. Weder von ihren eigenen Füßen, noch Spuren von ihrer Landung, die ich nach meiner Meinung doch sehen müßte.
– So langsam keimte in mir der Verdacht auf, daß sie schon längere Zeit festsaß.
Ich war Unsicher – weil ich nicht viel über Enten weiß.
Also testete ich ihr Fluchtverhalten, indem ich so nah wie möglich an die Schlickgrenze herantrat. – Keine Reaktion die darauf hindeutete, daß sie fliehen wollte.
Ich entschloss mich es zu wagen.
Ich zog meine Schuhe und Socken aus, und krempelte meine Hosenbeine so hoch es nur ging. Dann betrat ich den weichen Untergrund, und versank ca. 30 cm im Schlick.
Ich näherte mich der Ente, fasste sie an beiden Seiten ihrer Flügel und hob sie hoch. – Kein Versuch des Entfliehens. Kein Versuch mich zu beißen. – Da wußte ich – mein Eindruck war richtig.
Ich setzte sie behutsam in das Gras am Ufer – die Kinder streichelten sie.
Als Spaziergänger mit einem Hund kamen, wußte ich – hier war es nicht sicher für sie. – Der nächste Hund hätte seine Freude an ihr gehabt.
Ich hob sie erneut hoch, trug sie über den Weg auf die andere Seite über einen Flutgraben ins hohe Gras. – Vielleicht zuerst 5 Meter weg vom Weg, anschließend noch einmal weiter weg.
Dort ließ ich sie allein, in der Hoffnung daß sie sich wieder erholen würde.
-Abends im Bett, die Gedanken kreisen nicht nur um die Ente.
Wird sie es schaffen, oder wird sie morgen vor Erschöpfung tot sein?

Nachtrag:
15 Monate später fand ich die Schularbeit meiner 8 jährigen Tochter.

– Ich weiß, ein weiches Herz ist bei einem Mann selten.
– Das freundliche Wesen, das auch mal gerne ein paar Worte mit der Putzfrau wechselt – damit sie merkt – ihre Arbeit wird beachtet und geschätzt.
– Das weiche Herz – das empört über Ungerechtigkeit ist – und sich selbst nicht zu schade ist, diese auch Anzuprangern – auch wenn es der eigene Schaden sein sollte.
Was nützt es? Fragst du? Warum soll man sich gegen einen Tsunami stemmen?
– Weil ich kein Mitläufer sein will. Weil ich mich nicht verkriechen – und den Schwanz einziehen will. Weil ich nicht käuflich sein will – sondern authentisch.
Ja – ich gebe es zu. Ab und an macht mir es auch Spaß der Rebell zu sein.
– Sich aufzulehnen, wo alle schweigen.

Bitte Grafik nachladen, sie ist ein wichtiger Bestandteil dieser Seite – Das Bild des einen Gummibären, dessen Farbe anders ist, als die Farbe aller anderen.
– Der Fisch – der gegen den Strom schwimmt.
– Mir gefallen diese Bilder.
Zu gewinnen? Gibt es hier für mich nichts.
– Aber ich habe mir mein Herz bewahrt.
Das Herz für den Niedrigen, für den Schwachen.
– Das Auge, das die Not sieht, und nicht einfach so daran vorbei gehen kann.
– Nicht das Ziel ist der Erfolg, sondern der Weg.
Im Einklang mit sich selbst zu sein – und nach der eigenen Überzeugung zu handeln.
Alles andere hatte mich krank gemacht.
Und nebenbei hoffe ich, eine bleibende Erfahrung als Vorbild meinen Kindern vermittelt zu haben.

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Rückzahlung –
von Gott

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