Klinik 6

Durch äußere Umstände ist ein Teil meiner Belastungen weniger geworden – dies hatte sich auch positiv auf meine Durchschlafprobleme ausgewirkt. Jetzt habe ich meistens nur noch Durchschlafprobleme, wenn ich Nachtschicht habe. Dann lege ich mich in der Regel gegen 08:00 Uhr morgends hin, und wache zwischen 11:30 und 12:00 Uhr auf, und kann nicht mehr einschlafen. – Das ist zwar heute auch noch so… aber ich konnte gegensteuern.
Wenn ich in der Vergangenheit Nachtschicht hatte, dann legte ich mich zwischen 19:00 Uhr und 19:30 Uhr noch mal hin, und dann konnte ich bis 21:00 Uhr schlafen.
Nun lege ich mich schon zwischen 18:00 Uhr und 18:30 Uhr hin, und kann auch bis ca. 21:00 Uhr schlafen bis ich wieder an die Arbeit muss. – Diese eine Stunde mehr an Schlaf merke ich enorm.
Mit den Durchfallproblemen läuft es leider nicht so gut. Mit der ursprünglichen Antwort meiner Therapeutin „damit müssen Sie lernen zu leben“ wollte ich mich nicht abfinden. Bei einer Darmspiegelung wurde abgeklärt, ob ein physischer Grund für die Probleme vorliegt – mit negativem Ergebnis.
In meinem Fall vermutet man eine Kombination aus psychischen Auswirkungen und einer Medikamentenunverträglichkeit bezüglich des Diabetes Medikamentes. Daraufhin wurde die Medikamentation auf ein verträglicheres (aber teureres) Kombimedikament umgestellt und seitdem ist eine Besserung eingetreten. Es ist zwar keine Heilung- aber zumindest eine Verbesserung der Auswirkungen eingetreten.
Wie ich schon weiter oben schrieb – Eine schnelle Lösung gibt es wohl nicht, aber Hoffnung.
Ich habe die Hoffnung dass durch die Veränderungen durch die Verhaltenstherapie (Dinge anders zu bewerten, falsches eigenes Verhalten zu ändern, mich nicht mehr verbiegen zu lassen, Auszeiten einplanen) die Belastungen weiterhin abnehmen und sich das dann auch letzten Endes sich auf den Körper auswirken wird.


Bitte Grafik nachladen, sie ist ein wichtiger Bestandteil dieser Seite– ENDE DER REHA, WIEDER GESUND? –

Wenn Sie sich auch zu dem Schritt entschließen sollten, eine Reha zu machen, dann sollten sie NICHT davon ausgehen, daß Sie als „geheilt“ entlassen werden, oder daß ihre Probleme während der Rehazeit gelöst werden können.
– Die meisten Probleme, die zu diesem Zustand geführt haben sind über viele Jahre gewachsen – die lassen sich nicht in ein paar Wochen Reha wie ein gebrochener Arm einfach wieder zusammenkitten.
Die Reha ist auch nicht dazu da, daß andere Menschen ihre Probleme lösen.
– Wenn sie wirklich wollen, daß sich ihre Gesundheit verbessert, dann MÜSSEN SIE die Hilfsangebote wahrnehmen, und selber AKTIV dabei mithelfen.
– Es stimmt schon, sie können sich nicht selber wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, aber sie müssen schon selber die Rettungsleinen ergreifen damit ihnen geholfen werden kann.
Ansonsten werden sie wieder so aus der Reha herauskommen, wie sie reingegangen sind.
Zwei wichtige Sätze sind mir damals in der Reha gesagt worden, die wohl auch für viele Patienten gelten.
Aussage 1: „Herr Kwirandt, der Koffer ist zu groß, den Sie für diese Zeit mitgebracht haben.“
Aussage 2: „Wir können in dieser begrenzten Zeit keine Probleme lösen, aber wir können die Weichen in die richtige Richtung stellen.“ Die Reha kann nur der Anfang eines Weges sein, nach ihr muss es weiter gehen.

Was will ich damit sagen?
Zu Aussage 1: Wenn auch Sie zu viele Brandherde mit in die Klinik bringen, dann beschränken Sie sich erst einmal auf die Bekämpfung von denjenigen, die Sie am meisten belasten. – Das trifft auch für die Zeit nach der Reha zu.
Ich hatte für meinen Teil erkannt, daß ich nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen kann, deshalb habe ich mich nach der Reha auch erst einmal auf die Bearbeitung der dringendsten Probleme konzentriert. – Auch aus dem einfachen Grund, weil ich gemerkt hatte, daß einfach meine Kraft nicht ausreichen würde, an allen Fronten gleichzeitig zu arbeiten.
Zu Aussage 2: Wenn Sie ernsthaft an einer Besserung ihrer Situation interessiert sind, dann müssen sie auch selber in ihrem eigenen Interesse aktiv werden – auch über die Zeit „nach der Reha“ hinaus. Scheißhaufen die sich über viele Jahre angesammelt haben, werden Sie nicht in ein paar Wochen mit der Kuchengabel wegschaufeln können.
Wenn Sie die Möglichkeit haben, eine Anschlußtherapie genehmigt zu bekommen, dann nehmen Sie diese Möglichkeit wahr.
Wenn Ihnen in der Reha bestimmte Programme und Techniken geholfen haben, dann machen Sie es auch nach der Reha so weiter. – Versuchen Sie die hilfreichen Dinge in ihr Leben zu integrieren. Möchten Sie, daß eine fortlaufende Besserung eintritt, dann müssen sie auch für die Zeit nach der Reha die Dinge weiterbetreiben, die Ihnen geholfen haben.


– REDEN IST GOLD, SCHWEIGEN IST TÖDLICH –

Glücklich der Patient, der einen Partner oder Familienmitglieder hat, mit denen er über seine Probleme reden kann, die ihn verstehen, und ihm unterstützend zur Seite stehen können.
– Nur diese Spezies trifft man äußerst selten. Nach meiner persönlichen Erfahrung und Beobachtung ist es bei vielen Burnout-Patienten so, daß sie niemanden haben, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können – und der sie aber auch versteht.
Aber oftmals trauen sich die Betroffenen selber nicht darüber zu reden – aus Angst von ihren Mitmenschen abgestempelt zu werden
Die Hemmschwelle ist oftmals einfach zu groß (über so etwas spricht man halt nicht). – Als Laie setzt man psychosomatische Klinik aus Unwissenheit und aus Berührungsängsten zu häufig mit einer Psychiatrie gleich.
Deshalb tut Hilfe zur Selbsthilfe not. – Wenn Sie schon über dem Abgrund hängen, warum sollten Sie dann nicht nach den Grashalmen greifen, die Ihre Rettung sein könnten?
Wenn Sie niemanden haben, mit dem sie über ihre Probleme reden können, dann suchen Sie sich doch eine Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe.
Zu oft machte auch ich die Erfahrung, daß wenn ich über bestimmte Probleme mit jemandem geredet habe ich als Antwort nur betroffenes Schweigen geerntet habe.
– Vielleicht auch, weil diese Personen selber mit diesen Problemen überfordert waren, es nicht nachempfinden konnten, oder bei ihnen auch die Hemmschwelle (darüber zu sprechen) einfach zu groß war. Wie befreiend ist es dann, wenn man plötzlich auf Menschen trifft, die einen auf einmal verstehen. Die auf einmal Antworten auf die eigenen Fragen haben. – Die was zu sagen haben – was hilfreich ist – Balsam für die geschundene Seele. – Und man merkt plötzlich, daß man auch geben kann, daß man auch helfen kann. Das man nicht nur Empfänger, sondern auch Geber sein kann.
– Diese Homepage, und auch dieser Artikel “Klinikerfahrungen” und die Bilderserie “Klinikersehungen” sollen mein kleiner bescheidener Beitrag dazu sein.
Zu diesem Text gibt es auch die Fotoserie Therapie-Ersehungen in der ich meine Klinikerfahrungen fotographisch verarbeitet habe. Interner Link


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