Glauben 1

– ERSTER BERÜHRUNGSPUNKT –

Jemand sagte einmal in einer Predigt:
Der Grund, warum du gläubig geworden bist ist der, daß jemand für dich gebetet hat.
Danach überlegte ich mir krampfhaft, wer wohl für mich gebetet haben mag – aber mir fiel niemand zuerst ein. -Bis mir einmal Gott ins Gedächtnis rief, das ich es selbst gewesen bin der ihn darum als Kind jeden Abend bat.
– Obwohl wir als Familie nie besonders religiös waren, haben wir als Kinder doch jeden Abend ein “Gute-Nacht-Gebet” gebetet.
Mein Part des Gebetes war:
Lieber Gott, mach mich fromm daß ich in den Himmel komm…
-> und ER nahm mich beim Wort obwohl es noch ein “paar Jahre” dauern sollte.


– ABGEPRALLT / ABGEFALLEN –

Wir waren “normal evangelisch”. Wir gingen zu Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Weihnachten in die Kirche und hatten ansonsten mit Glauben “nichts am Hut”.
Daß man eine persönliche Beziehung zu Jesus haben kann? – Davon hatten wir nie gehört, noch nicht einmal vom Pfarrer. – Und so kam es, wie es kommen mußte…
Als während meiner Konfirmation ein paar meiner Mitkonfirmanden Karten gespielt hatten, faßte ich folgenden Entschluß: “Wenn das Kirche ist, dann kann ich auch drauf verzichten”. Folglich weigerte ich mich seit diesem Tag bei jeder Gelegenheit auch nur einen Fuß wieder in die Kirche zu setzen.


– GRAVIERENDE VERÄNDERUNG –

Mit 16 Jahren beendete ich die Schule als Hauptschüler und bewarb mich bei 5 Firmen als Lehrling. Ich erhielt von allen 5 Firmen nach den Eignungstest eine Zusage. -Von den unattraktivsten Firmen erhielt ich zuerst eine Zusage. Um nicht am Ende ohne Lehrstelle dazustehen, sagte ich nach und nach bei allen Firmen zu. – Als ich dann endlich die Zusage der (für mich) attraktivsten Firma (Deutsche Telekom) erhielt, sagte ich dann bei den restlichen Firmen wieder ab.
Die Ausbildung fand in Kassel statt, ca. 60 km (1 Autostunde) von zu Hause weg.
Montags bis Freitags verbrachten wir in dem Jugendwohnheim der Firma. Freitags sind wir mit Bussen oder Zügen nach Hause gefahren, und Sonntags sind wir wieder nach Kassel in das Jugendwohnheim gefahren.
– Wenn ich vorher gewußt hätte, was auf mich zukommen würde, dann hätte ich diesen Schritt nicht getan. – Dieser Satz sollte sich noch des öfteren in meinem Leben bewahrheiten.


– EINSAMKEIT, VERZWEIFLUNG –

Zu Hause, in unserem 1000-Seelen Dorf hatte ich nicht viel Freunde. Deshalb suchte ich mir Beschäftigungen bei denen man keinen Spielpartner brauchte. Ich machte sehr viel. Ich las sehr viel – das eröffnete das Tor in andere Welten, in die ich mich hineinträumen konnte. Ich hörte viel Radio (vorwiegend die nächtlichen Country-Sendungen). Sammelte Briefmarken und Mineralien. Und war glücklich, wenn ich mit den Hunden die beim Tierarzt in Pflege waren, durch den Wald streifen konnte.

Und nun war ich auf einmal in dieser für mich “riesigen Stadt Kassel”.
In meiner Freizeit wußte ich nichts mit mir anzufangen. In der Innenstadt und der Fußgängerzone mit den vielen Menschen fühlte ich mich extrem unwohl. Ich spürte meine Einsamkeit zwischen den vielen Menschen.
An Sport, Saufgelagen und Discobesuchen hatte ich kein Interesse und hielt mich deshalb davon fern. Das verstärkte noch meine Außenseiterrolle.
Von manchen Kollegen wurde ich gehänselt.
So kam es, daß ich nach der Berufsschule oder der Lehrwerkstatt nur noch in unserem vierer-Bett-Zimmer saß, und nichts mit mir anfangen konnte.

Ich begann, mir über den Sinn des Lebens Gedanken zu machen.

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Du arbeitest, um Geld zu verdienen.


Das Geld brauchst du, um dir Brot kaufen zu können.


Das Brot brauchst du, um wieder Kraft zu haben, um wieder arbeiten zu können.


Und da schloss sich wieder für mich der Kreis.

Das kann doch nicht alles sein? Es muß doch einen tieferen Sinn im Leben geben?

Mein Vater sagte immer, daß er dafür arbeitet, daß es seine Kinder mal besser haben als er. -Nun sind seine Kinder aus dem Haus und haben es besser als er. Nun hat sich ja sein Sinn des Lebens erfüllt. – Dann könnte er doch auch seinem Leben ein Ende setzen.
– Es muß doch mehr geben. – Das kann doch nicht alles sein.


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